Dienstag, 20. Dezember 2016

Besinnlichkeit vs. Krieg und Terror


Es gibt keine größere Kraft als die Liebe.
Sie überwindet den Hass
wie das Licht die Finsternis.
(Martin Luther King)
 


Gerade letzte Woche habe ich noch was zum Thema Besinnlichkeit in der Weihnachtszeit geschrieben. Da ging es um Stress, um Einsamkeit und all die Phänomene drum herum, die es einem schwer machen, wahre Besinnlichkeit aufkommen zu lassen. Das bezog sich allerdings nur auf die ganz persönlichen Belange. Auf meine Belange. Auf die der anderen. Jedem ganz privat eben.

Und jetzt? Nur einen Tag nach #Berlin? Hm....

Kann man da auch noch ganz allgemein besinnlich werden? Darf man das eigentlich überhaupt noch? Das Fest der Liebe feiern? Ich tue mir da gerade ziemlich schwer. Obwohl ich immer noch die Haltung habe #Jetzterstrecht. Nein, wir lassen uns nicht unterkriegen. Nicht vom Terror. Aber auch nicht vor den Rechten, bei denen ich einmal mehr den Eindruck habe, dass sie genau auf solch eine Tat gewartet haben, nur um jetzt allzu laut aufschreien zu können "Seht Ihr, wir haben es Euch doch gleich gesagt". Frau Merkel ist Schuld. Es seien sogar Frau Merkels Tote, heißt es da wie man so hört oder liest. Aber es geht natürlich noch weiter, denn die Linken sind natürlich auch schuld. Die Lügenpresse sowieso. Man hat es ja schon lange kommen sehen, aber Ihr alle ward wie immer blind. Keiner hat was getan, um "uns" zu schützen. Aber mal ehrlich: welchen Schutz soll es denn geben? Wie definiert sich "uns"? Sind das nur wir Deutschen? Wir Europäer? Haben nur wir das Privileg auf Schutz? Kann man sich vor so etwas denn überhaupt schützen? Wenn ja, wie? Oder dann natürlich gleich weiter: die Flüchtlinge sind schuld. Aha. Dann habe ich das aber wohl falsch verstanden, denn ich war immer in der Annahme, dass diese genau auch aus dem gleichen Grund geflüchtet sind, vor dem wir jetzt auch so Angst haben? Eben genau vor dem gleichen Krieg und Terror?

Dennoch will ich hier nicht nur über Rechts schimpfen, denn das bringt uns letztendlich ja auch nicht weiter. Vielmehr scheint es mir, als spalte sich unser Land immer mehr. Der Schwarze Peter wird von einem zum anderen geschoben, der eine instrumentalisiert den anderen. Da werden angebliche Fakten nur so hin und her gehauen. Völlig egal, wie seriös eine Quelle ist oder auch nicht. Ich sag nur: "postfaktisch". Nicht umsonst das Wort des Jahres 2016. Rechts oder Links - auf welcher Seite steht man eigentlich? Dazwischen scheint es irgendwie ja auch überhaupt nichts mehr zu geben. Doch macht uns das stärker? Bringt uns das weiter? Ich persönlich glaube ja nicht, dass diese gegenseitigen Schuldzuweisungen irgendjemanden irgendetwas nutzen.

Trotzdem empfinde ich es als genauso falsch, alles zu bagatellisieren. Alles unter den Tisch zu kehren und irgendwie von Einzelfällen zu sprechen. Der Terror ist da. Mitten unter uns. Und nicht erst seit gestern. Seit Berlin. Es war die ganze Zeit schon da, nur jetzt ist es eben offiziell. Offiziell quasi in Deutschland angekommen. Das Ziel wurde völlig willkürlich ausgewählt. Treffen wollte man uns alle. Mitten rein ins Herz, gegen unsre ganze Art zu Leben, gegen unsere Ideale, unsere Freiheit, gegen unsere ganze westliche Kultur. Und es kann jederzeit wieder passieren. Hier und überall. Mit dieser Angst werden wir wohl künftig leben müssen, denn wenn einer durchdrehen will, dann tut er das. Da gibt es keinen Schutz. Zumindest meiner Meinung  nach.

Und dieser Terror geht weder von rechts noch von links aus, sondern von irgendwelchen Idioten, die sich irgendwann mal radikalisiert haben. D.h. wir sollten aufhören, uns ständig nur gegenseitig zu bekämpfen und zu beschimpfen, denn am Ende schwächt uns das mehr, als dass es jemanden nutzt. Unser Ziel sollte es viel mehr sein, gemeinsam gegen den Terror vorzugehen. Allerdings gegen den Islamismus und nicht gegen den Islam (es soll ja Leute geben, die den Unterschied immer noch nicht kennen).

Aber auch der Islam sollte irgendwann mal erkennen bzw. sich damit auseinander setzten, dass sich diese Gruppierung innerhalb der eigenen Reihe radikalisiert und dass sie selbst dafür zwar keine Verantwortung tragen, aber nur beiseite schieben, wird das Probleme ebenso wenig lösen, wie diese verhindern. Da müsste meiner Meinung nach viel mehr Eigeninitiative kommen bzw. gezeigt werden. Mir scheint vielmehr, dass man es gerne mit "das geht uns nichts an, die gehören nicht zu uns" abtut. Doch das ist falsch. Und mehr als gefährlich. Dinge nur von sich zu weisen, so als gehe es einen gar nix an, ist mehr eine Duldung, als ein aktives Wehren. Da müssen gemeinsame Dialoge geführt werden und auch hier bringen gegenseitige Schuldzuweisungen nichts.

Nur wer soll diese führen? Weltpolitisch  gesehen wird's ja auch nicht besser. Oder sieht irgendjemand die Hoffnung, dass so Leute wie Trump, Erdogan oder Putin uns den großen Frieden bringen werden? Wohl kaum. Und Europa? Mehr Spaltung als ein weiteres Zusammenwachsen.

Das alles macht mir Angst. Ziemlich große Angst sogar. Angst vor der Zukunft. Angst vor dem, was da alles noch auf uns zukommt. Das Jahr neigt sich allmählich dem Ende zu - das neue steht schon in den Startlöchern. Bisher noch ganz neu und unverbraucht und keiner weiß, was es uns bringen wird.

Doch jetzt wollen wir erstmal Weihnachten feiern. Und dann sind wir auch schon wieder bei der Besinnlichkeit. Die hat es im Moment aber auch wirklich schwer. Denn wo soll die auf einmal herkommen, wenn man weiß, was da draußen in der Welt so alles los ist? Die Hinterbliebenen der Opfer in Berlin, in Ankara, in Istanbul, in Aleppo und weiß der Geier noch wo überall in der Welt. Soll man da so tun, als sei nix gewesen? Einfach so tun, als sei alles Friede, Freude, Eierkuchen? Einfach so #Jetzterstrecht? Puh Leute, das ist irgendwie ganz schön viel verlangt.

Dennoch will ich es versuchen. Dennoch will mich nicht unterkriegen lassen. Dennoch werde ich mit meiner Familie ein Kerzlein anzünden und es in die Welt hinausschicken. Für ein bisschen mehr Frieden, für ein bisschen mehr Liebe und vor allem für die Opfer, die ihr Leben für diesen Wahnsinn lassen mussten. Diese stehen schließlich stellvertretend für uns alle. An sie will ich diesen Tagen ganz besonders denken. Und an deren Angehörige, die nun irgendwie versuchen müssen, den Verlust zu stemmen. Zu verarbeiten. Zu verstehen. Letzteres wird man wohl nie. Wie auch?

Vielleicht haben wir derzeit wirklich kein Friede, Freude, Eierkuchen, aber vielleicht können wir einfach versuchen, ein bisschen mehr zusammen zu stehen als sonst. Das ist schließlich auch ganz viel wert und vielleicht auch die einzige Chance, die wir haben.

Lasst es Euch gut gehen!
***
Pamy

Kommentare:

  1. Schön geschrieben...
    Fühl dich gedrückt,
    Lee

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  2. Liebe Pamy, ich finde durcfhaus, dass du das ganz hervorragend auf den Punkt gebracht hast. Wobei das vielleicht der falsche Ausdruck ist, denn diese ganze Thematik ist so schwierig dun so weit weg von einfachen Lösungen, dass es nicht auf einen Punkt zu konzentrieren ist.
    MIt der Weihnachtsstimmung tue ich mcih dieses Jahr auch schwer. Das sinnlose Morden in der ganzen Welt, die verrohung des Umgangs und der Sprache, die Enthemmung, das alles lässt mich oft verzagen. Dabei wäre es gerade jetzt so wichtig, mutig nach vorne zu gehen nur... Lösungen habe ich auch nicht parat. Ruhig bleiben, Argumentieren, Überzeugen, das alles habe ich jetzt mehr als ein Jahr lang versucht. Es war völlig umsonst. Wo wenig Hirn auf noch viel weniger Herz trifft, da ist jedes Argument überflüssig. das ist sehr frustrierend. Resignieren will ich aber trotzdem nicht, das ist nicht meine Art. Mich dagegenstellen, aber zukünftig ohne den Versuch, noch zu argumentieren, sondern indem ich einfach etwas anderes lebe.
    Du fragst: "Darf man das eigentlich überhaupt noch? Das Fest der Liebe feiern?" Ich sage deshalb: ja, mehr denn je. Sich nicht den Hass aufzwingen lassen, nicht die Projektionen, nicht die Angst und sich die Freiheit und die Menschlichkeit niemals nie beschränken lassen. Nicht von Terroristen, nicht von Hetzern aus beiderlei Lagern, nicht von der Angst.
    Herzlich, Katja


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    1. Das ist übrigens ein wunderschönes Foto.

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    2. Auch hier gebe ich Dir vollkommen Recht. Man kann einen Hirnverbrannten nicht vom Gegenteil überzeugen. Das zermürbt nur selbst und frustriert vor allem ungemein. Dennoch werde ich nicht aufhören zu argumentieren und diskutieren. Das bin ich den Menschen, dem Frieden, den Opfern, dem Unrecht in der Welt, gegenüber mir selbst oder wem sonst noch alles einfach schuldig.

      Und mehr kann man ja irgendwie bei all der Hilflosigkeit irgendwie eh nicht tun. Außer weiter dagegen stehen und uns nicht unterkriegen lassen. Und deshalb - oder eben genau deswegen - darf und muss man auch das Fest der Liebe feiern und das sollte man auch tun. Meine Fragestellung „Kann man dieses Jahr überhaupt Weihnachten feiern?“ war deshalb vielmehr auf den Hintergrund bezogen, dass es in diesen Tagen einfach nicht so leicht ist, mit strahlenden Augen, Lichterglanz und heiter "Oh du fröhliche"-trällernd unterm herrlich geschmückten Weihnachtsbaum zu sitzen und das Fest der Liebe zu feiern.

      Dennoch werden wir es tun und dabei aber allen Opfern ganz besonders gedenken.

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  3. Liebe Pamy,
    ich tue mich ein wenig schwer mit politischen Statements, deinen Post aber kann ich von ganzem Herzen unterschreiben. Du hast die richtigen Worte gefunden für all das Übel, das wir Menschen (und zwar alle) uns untereinander antun. Nicole von Niwibo sich hat dazu auf Instagram schon einmal Luft verschafft: es gibt nicht nur Terror und Tote in Berlin, sondern jeden Tag in jedem Teil der Welt und all diese Toten und Leidenden finden kaum Gehör.
    Mag sein, dass ich ein oberflächlich wirke, wenn ich verkünde, dass ich mich trotzdem an den schönen Dingen und Momenten des Lebens erfreue und genau diese mit meinen Posts bei Instagram und auf meinem Blog verkünde. Ich bekomme sehr wohl mit, was um mich herum geschieht, aber mein sonniges Gemüt lässt mich immer noch irgendwo etwas Schönes sehen, was vielleicht auch einer leidenden Person ein wenig Freude bringt.

    Ich drücke dich und wünsche dir und deinen Lieben ein besinnliches, frohes Weihnachtsfest.
    Liebe Grüße ... Frauke

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    1. Liebe Frauke,

      ich finde es gar nicht schlimm, wenn man keine politische Statements abgibt. Denn jeder darf und kann bloggen was er will und eben auch wie er das will. Und das ist auch gut so.

      Ich selbst kann nur manchmal nicht anders. Da hätte ich sonst das Gefühl zu platzen, wenn ich nicht sage, was ich zu sagen habe und dann mache ich mir durch solch einem Post einfach mal Luft. In dem Moment könnte ich dann auch gar nicht anders. Ich könnte nicht über Blümchen und Deko oder Sonstiges schreiben, es käme mir in dem Moment einfach zu trivial vor. Aber so geht es mir und das muss nicht für alle gelten und deshalb ist beides für mich völlig ok und auch gut so!

      Zumal es wichtig ist, dass man über Positives schreibt. Wie soll man sonst dem Terror trotzen? Wir können nicht sagen, wir mache #Jetzterstrecht und dann stänkern wir nur durch die Gegend. Wir müssen zeigen, dass wir uns nicht unterkriegen lassen und deshalb auch wirklich weiter machen wie vorher. Stärke beweisen. Uns das alles nicht gefallen lassen. Und da gehören eben Deine wunderschönen Fotos, eine tolle Blume oder auch Deine wunderbare Deko ganz klar dazu.

      Ich drück Dich zurück und wünsche Dir und Deiner Familie ein ebenfalls wunderbares Weihnachtsfest.

      Liebe Grüße
      Pamy

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